Lawinenabgang

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Abseits der Piste (c) B.Ploerer

Lawinenabgang – wie funktioniert die Rettungskette?

Es ist der 25. Dezember 2018 am Rettenbach Gletscher. Ein Wintertag wie er im Buche steht, inkl. 40 cm Neuschnee.

Die Sonne scheint und die Hänge außerhalb des gesicherten Schiraums glitzern. Es ist ein Tag für Skifahrer, die es „ins Gelände“ zieht.

Leider ist das nicht ungefährlich und jeder Schifahrer sollte sich über die Gefahren im Klaren sein, wenn er den gesicherten Skiraum verlässt.

Es herrscht die Lawinenwarnstufe 3, jene, bei der die meisten Unfälle passieren. Im Hang an der linken Seite des Rettenbach Gletschers sind auch schon einige Spuren abseits der Piste zu sehen, als um 13:05 Uhr Herr Maier aus München auf der Terrasse vom Restaurant Gletschertisch, zwei Skifahrer in eben diesen Hang einfahren sieht. Nachdem der erste gut nach unten gekommen ist, sieht der Gast, dass sich direkt oberhalb des zweiten eine Lawine samt Skifahrer in Bewegung setzt.

Da aus Sicht des Urlaubsgastes, der alles von der Sonnenterrasse aus beobachtet, der untere Teil des Hanges durch einen kleinen Hügel verdeckt wird, geht dieser von einem Lawinenabgang mit verschütteten Personen aus.

Er informiert sofort den Bediensteten der Gletscher Express Bahn und der wiederum setzte einen alpinen Notruf mit der Nummer 140 ab (den Notruf 140 kann selbstverständlich auch jeder selber tätigen).

(c) Alpin Notruf Bergrettung Österreich 140

Entgegengenommen wird der Notruf von der Leitstelle Tirol – welche sämtliche Notrufe tirolweit koordiniert. Mit dem absetzten des Alarms wird die Rettungskette ausgelöst und in Gang gesetzt. Der Disponent der Leitstelle informiert sich beim Anrufer:

  • WAS ist passiert?
  • WO ist die Lawinen genau abgegangen?
  • WANN war das Ereignis?
  • WIEVIELE Personen sind involviert bzw. sind bei der Annahme sicher eine oder mehrere Personen verschüttet?

Mit diesen Informationen alarmiert die Leitstelle parallel, nach einem vorgegebenen Schema, die Rettungsmannschaften, ebenso wie die Leitstelle des betreffenden Ortes bzw. des Skigebietes.

Die örtliche Leitstelle informiert dann die Lawinenkommission, die Pistenrettung und die Führungskräfte der Bergbahnen, um weiter Schritte einzuleiten.

Sofort werden aus genannten Gruppen die am nächsten stationierten und am schnellsten einsatzbereiten Kräfte zum Lawinenkegel gebracht. Abhängig vom Ort des Abgangs werden die Ersthelfer mit dem Pistengerät oder dem Helikopter zum Lawinenkegel gebracht.

Lawinenabgang in Sölden (c) ZOOM. Tirol
Lawinenabgang in Sölden (c) ZOOM. Tirol

Einer der erfahrensten Ersthelfer übernimmt dabei die Einsatzleitung. Er macht sich vor Ort ein Bild der Situation und koordiniert mit der örtlichen Leitstelle den weiteren Bedarf an nötigten Helfern.

Sollten bei einem derartigen Ereignis Personen involviert sein, wird automatisch ein Notarzt mit dem Hubschrauber zur Unglückstelle geflogen. Nach Abschätzung der Lage werden von der Einsatzleitung ein oder mehrer Hundeführer, mit Ihren dafür speziell ausgebildeten Lawinenhunden, angefordert.

Lawinenabgang Sölden (c) Zeitungsfoto.at

In weiterer Folge übernimmt der Einsatzleiter die Vorgehensweise der Ersthelfer, koordiniert das Absuchen des Lawinenkegels mit VS Geräten (Lawinenverschütteten Gerät) und das Suchen von Gegenständen und herausragenden Dingen aus den Schneemassen.

Die weiteren Helfer die zur Unfallstelle gelangen (wie Herr Maier), werden mit einer Sonde ausgestattet und zu einer Sondierkette zusammengestellt.

Der Leiter der Suche gibt dann den primären Suchraum vor.

Der Kettenführer übernimmt die Gruppe aus maximal zehn Personen und beginnt sofort an der vorgegeben Stelle zu sondieren.

Die Gruppe bewegt sich dabei Schritt für Schritt vorwärts und überprüft durch einen Stich mit der Sonde, ob sich etwas unter ihnen befindet, immer auf Kommando des Kettenführers. Eine weitere Person, mit Lawinenschaufel und Sonde ausgestattet, folgt der Kette. Sie markiert mit Fähnchen bereits sondierte Bereiche, um zuvor Abgesuchtes zu kennzeichnen.

Nachdem der gesamte Lawinenkegel sorgfältig kontrolliert wurde, in diesem Fall erfolglos, muss der Einsatzleiter die Entscheidung treffen, ob der Lawinenkegel erneut durchsucht wird.

Bei besagtem Einsatz sind die beiden Skifahrer, welche die Lawinen ausgelösten und Herr Maier für verschüttet hielt, einige Zeit später zum Lawinenkegel zurückgehrt, um bei der Suche (nach ihnen selbst) mitzuhelfen. Dort wurden sie glücklicherweise sofort von Herrn Maier erkannt, was zum Abbruch der Such führte.

Auf Grund der Nichtmeldung des Lawinenabgangs wurde eine sehr große, teure und aufwendige Rettungsaktion gestartet, bei der sich zahlreiche Helfer in Lebensgefahr begaben, um die beiden Skifahrer zu suchen.

Hätten die zwei unwissenden jungen Skifahrer eine Meldung bei einem Liftbediensteten, in einem Bergrestaurant oder beim alpinen Notruf 140 hinterlassen, wäre viel Aufwand und Risiko der Helfer nicht nötig gewesen. Deshalb nicht vergessen:

EINE MELDUNG IST UNBEDINGT ABZUGEBEN, AUCH WENN NIEMAND VERSCHÜTTET IST

Eine solche Meldung zieht nämlich keine Konsequenzen nach sich und kann sogar Leben retten.

 

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